Filmausschnitt, Henry Mertens, Dessau
Aquatische Lichträume
Aquatische Lichträume sind atmosphärisch gestimmte Räume, temporäre Installationen einer Vielzahl von maritimen Lichtinseln, die sternengleich funkeln, pulsieren, atmen - auf nächtlich glänzendem Seespiegel. Blinkende Signallichtbojen, farbige Kugelfender und schwankende Leuchtstäbe markieren ein im See verankertes Beziehungsgeflecht, visualisieren die leuchtende Metapher Sternenhimmel. Die räumliche Verortung der schwimmenden Objekte basiert auf den kartographischen Gestaltmerkmalen der Umgebung und den Sternorten der nördlichen Hemisphäre. Aus Realitäten präzise entwickelte Konstellationen sind im verkleinerten Maßstab punktuell auf die dunkle Wasserfläche übertragen. Im schwindenden Abendlicht entfaltet sich über dem nachtschwarzen See ein zart blitzendes Lichtpunktnetz, eine mondblau atmende Atmosphäre. Mit zunehmender Dunkelheit steigert sie sich zu einem visuellen Konzert bewegter Raumpunkte. Die tanzenden Lichtreflexe verwandeln den Naturraum in eine Gegend festlich gestimmter Leichtigkeit und kontemplativer Stille. So wird der Naturraum durch atmosphärische Irritation neu hervorgebracht. Im griechischen Altertum sprach eine Metapher vom unbeschreiblichen Lächeln des Meeres, wenn etwas wiedergesehen oder mit neuen Augen betrachtet wurde.