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 Acrylglasbox B 262 mm x T 172 mm x H 121 mm Lisatafeln  | Blau 21 x |  Transparenttafeln  | Weiß 16 x, je 158 mm x 247 mm x 3 mm

 

 

 

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 Wasser | Cosmographie Bad Nauheim

17. Juni – 30. Juli 2017 | Vernissage: Freitag, 16. Juni, 19.00 Uhr |  Kunstverein Bad Nauheim

Für die Gruppenausstellung in Bad Nauheim zum Thema Wasser habe ich ein Glasobjekt geschaffen, welches von der Seite wie ein gestreifter blau-weißer Eisblock aussieht, aus dem Luftblasen aufsteigen. Eingefasst sind die einzelnen Glasscheiben von einer transparenten offenen Glasbox, die gleichsam aussieht wie ein Zettelkasten, also ein cosmographischer „Zettelkasten“. Die transparenten Scheiben sind mit Sternbildkonstellationen versehen, kleine und größere Bohrungen ergeben astronomisch korrekte Himmelskarten nördlicher Breiten. Sie sind inspiriert von antiken Pinakes, den Schreib- und Sterntafeln der alten Griechen.
 
Die blauen Lisa-Scheiben zeigen Konstellationen kartografischer Gegebenheiten des Kurortes Bad Nauheim. Auch diese Lochstrukturen basieren auf maßstäblichen Karten, leuchten zart in den Schnittkanten. Die palimpsestartige Schichtung ist Metapher für Ganzheit, Durchdringung und Überlagerung von Ereignissen und Lebensräumen.
 
Jean Paul Sartre hat entdeckt, dass der Mensch „durchlöchert“ ist von Löchern. Und weil alle Löcher „ein Ruf nach Sein“ sind, gilt es, diese zu füllen. Das ist eine
der grundlegendsten Tendenzen der menschlichen Realität: die Tendenz, zu füllen.

Das Glasobjekt dient in der Gruppenausstellung als „Vorbote“ zur Ankündigung einer großen Lichtinstallation im sog. „Großen Teich“ im nächsten Jahr in Bad Nauheim.
 
Denn der gespiegelte Himmel im Wasser und die Sternbildtafeln meiner gefundenen Konstellationen der Bad Nauheimer Lebensräume ergibt in der Schichtung ein neues Firmament, eine Cosmographie dieses Ortes, die den Genius Loci in sich trägt. Das Element Wasser verkörpert sich hier im Spiegelbild aufsteigender Luftblasen. Löcher in Glaskörpern erhöhen die Durchsichtigkeit, die Transparenz als Quell der Erkenntnis.
 
In meinem Kosmographie-Objekt schlummert metaphorisch die gewaltige Urkraft des Wassers, die explosionsartig lebendige Welten entstehen lässt. Hier zeigt sich aber auch eine Sanftmut heilender Kräfte im verspiegelten Aufstieg tanzender Sauerstoffblasen. Das Objekt ist die sinnbildlich verdichtete Form eines Mediums, welches die Vielfalt der belebten Welt in sich trägt. Es ist Symbol eines „sensiblen Chaos“ (Novalis). das nichts für sich fordert, jedoch jede beliebige Form selbstlos aufnimmt.

 

 

 

 

 

 

 

 

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Lichtachsen Reloaded | 24 pulsierende Neonstabstelen | 45 x 2,8 m gekrümmte Lichtachse | Heilandskirche Sacrow | 2016

 

 

 

 

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Foto: Michael Lüder

 

 

 

Lichtachsen Reloaded
12. – 14. August 2016 | Sacrow | Heilandskirche


Anlässlich des 55. Jahrestages des Mauerbaus und der Ausstellung »Gärtner führen keine Kriege« im Schloss Sacrow wird auf dem ovalen Wiesenstück zwischen Uferweg und Heilandskirche in unmittelbarer Nähe zum Campanile von Sacrow eine gekrümmte Lichtachse den ehemaligen exakten Verlauf der Grenze als lichthaltigen, transparenten Vorhang markieren. Sie dient als Metapher der Reflektion von Grenzlinie, Sichtachse und wechselvoller Geschichte dieses zauberhaften Ortes. Eine poetische Licht- und Sichtachse als Memento an die Zeit der deutschen Teilung.

Vierundzwanzig Lichtstelen pflanzen in die Dämmerung eine Poesie des WAS HIER JETZT IST; WAS HIER
EINST WAR im Gedenken an die durchtrennten, eingrenzenden Lebens- und Kulturräume.

www.gaertner-fuehren-keine-kriege.de

 

 

 

 

 

 

 

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Poesieklaviatur | Wand- und Bodeninstallation | weiß lasierte MDF-Tafeln | 13,90 m x 2,04 m | 2016

 
 

 

 

 

 

 

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POESIEKLAVIATUR

Fluchtpunkt Westen – Künstler als Seismographen | Westraum, Nestorstraße 36, Berlin



Die axiale Rauminstallation markiert hier im Westraum einen Text im Kontext des Ortes und des Leitgedankens der Ausstellung: Fluchtpunkt Westen.

Weiß lasierte MDF-Tafeln verbildlichen eine im Binärcode gefasste Poesie des ES IST – HIER JETZT – SO.
Ein camouflageartiger Bodenbelag ist exakt in Ost/West-Himmelsrichtung ausgerichtet.
Die Klaviatur der Installation folgt der schrägen Grundstruktur, bricht die Monotonie der rechten Winkel des Ausstellungsortes auf.
– Binärcode auf Camouflagegrund in Ostwest-Lesrichtung – lautet die Übersetzung des abstrahierten Textmosaiks.

Die Arbeit intendiert eine Poesie, die einer Kompassnadel gleich »… zwischen zwei Welten schwebend …« axiale Beziehungsgeflechte, Wissens- und Kulturräume thematisiert; Räume verdichteter Beziehungen und Interaktionen mit Elementen und Strukturen eines gemeinsamen Kulturwissens. »Poesieklaviatur« ruft Goethes »West-östlichen Divan« ins Gedächtnis im Sinne kultureller Verschränkung.

 

 

 

 

 

 

 

 

01_10-1-OSH-lichtkunst-MarkplatzTopoi der Freude | Bürgerpalatz Markthallendach | 12 animierte Leuchtzylinder | horizontales Lichtpunktband in der Attika | Bodentext im Binärcode (Brunnenachse) | 2016

 

 

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Topoi der Freude | 1. Preisträger Kunst am Bau Wettbewerb Stadt Oberschleißheim | Bürgerpalatz Markthallendach | 12 animierte Leuchtzylinder | horizontales Lichtpunktband in der Attika

 

 
 

 

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Topoi der Freude | Unterführung | 12 teilige Lichtinstallation »Räderwerk« | Lochblendenkreise | gespiegelte Schloßparkkonstellation | Bodentext im Binärcode (Ortsname) | 2016

 

 

 

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Topoi der Freude | Zuwegerampen | Bodentext im Binärcode | Ortsname | Variationen | Grundbeleuchtung |  2016

 
 

 

 

05_06-6-OSH-lichtkunst-Unterführung Topoi der Freude | Unterführung | pulsierende Lochblendenachse | 2016

 

 



»Topoi der Freude«



Leitgedanke dieses topografischen Gesamtkunstwerks im öffentlichen Raum von Oberschleißheim ist die Verbildlichung des Zusammenspiels von vielen einzelnen Orten des Stadtraums zu einer Identität stiftenden poetischen Struktur. Unter dem Markthallendach auf dem Bürgerplatz sind 12 kreisrunde leuchtende Zylinder in der Konstellation einer großen Ellipse angeordnet.

Die Stadtstruktur mit ihren Architekturen, Kirchen, Kita’s, Straßenkreuzungspunkten, Schulen, Schlössern und Wegekreuzungen wird als bewegtes Lichtpunktraster und leuchtende Himmelsmetapher über den Köpfen der Markthallenbesucher schweben.

Der leuchtende »Stadtplan« verbildlicht räumliche Konstellationen, visualisiert einen konkreten Lebensraum als einen sternenhimmelähnlichen Kosmos.

In der östlichen Attika des Markthallendaches ist ein horizontales Lichtpunktband installiert. Es verdeutlicht ein kontrapunktisches Element zur Vertikalen des markanten Maibaums. So ergibt sich ein auf Fernwirkung bedachtes grafisches Element auf dem Bürgerplatz, welches die Vereinigung der Koordinaten zu einem visuellen und kartografischen Bezugspunkt darstellt.

Im Bodenbelag der Brunnenrinne ist eine zweite Lichtpunktachse eingelassen, die an ihren Endpunkten durch zwei Brunnenbecken begrenzt wird. Im Inneren der Brunnenbecken sind quadratische Leuchtpflastersteine eingelassen, die die städtischen Konstellationen der institutionellen Orte der Stadt östlich und westlich der Bahngleise symbolisieren. In der Brunnenrinne selbst markieren eine große Anzahl von Leuchtpflastersteinen eine 55 m lange Bodenschrift, die im Binärcode den Ursprungsnamen der Stadt Oberschleißheim: – SLIUUESHEIM – verbildlicht.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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»Origo – oder das Daseinsrund« | Kugelfender, Hanfseil, Rettungsringe | 2014 | Ø 2 m
Lichtboxmodul: »Ballender Azur« | Neonbögen, Acryl, EVG | 2014 | 90 x 80 x 8 cm

Gemeinsame Lichtarbeit Gottemeier | Rothensee:
»Schwarze Milch« | Neon, Acryl, EVG’s |
2014 | Ø 110 x 8 cm

Beate Rothensee | »Black Mamas« | Dessous und Mischtechnik auf Milchkartons | 2012 | 18,5 x 37 x 28 cm


 

 

 



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»Eupalinosfries« | Neon, Acryl, EVG’s | 2012 | 90 x 325 x 8 cm

Lichtboxmodule: »Athikte | Gemini | Rhodonia | Vela | Nephele + Nexis« | je 65 x 90 cm






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»Wolkengalopp« |
Neon, Acryl, EVG | 2014 | 18 x 21 x 23 cm








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»Die Heitere« | Neonzeichnung | Acrylglas | EVG | 2011 | H 22 | B 22 | T 19 cm

»Sie bleibt als der Ursprung alles Freudigen das Freudigste« M.H.







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»Medusa zwischen Perseus und Pegasos« |
Neon, Acryl, EVG’s | 2012 | 90x 195 x 8 cm







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»Die Frohheit« |
Neon, Acryl, EVG | 2014 | 18 x 21 x 22 cm



dkw.Kunstmuseum Dieselkraftwerk Cottbus
Ausstellung der Kunst- und Förderpreisträger 2013 des Landes Brandenburg
Gemischtes Doppel II: 30. August – 26. Oktober 2014
Rainer Gottemeier | Beate Rothensee


Die Entdeckung, dass unter der Meeresoberfläche des mediterranen Wasserspiegels ein erdgeschichtliches Bilderlager existiert, war der Ursprung für den Werkblock: »Dunkel/Licht/Resonanzen… von Euro-Mediterranen Räumen.«


Es geht in meinen Arbeiten um Poesie im Sinne lichthaltiger Dichtung. Dies meint ein künstlerisches Konzept, welches mit kunst-kartografischem Blick atmosphärische Räume kreiert, Zeichnungen aus Licht, zwischen kosmischen und irdischen Strukturen.

In meinen Arbeiten mit Licht gibt es zwei komplementäre Herangehensweisen, dem Phänomen Licht nachzuspüren. Zum einen ist es die malerische Option des verborgenen Lichts. Es ist das Licht der Geschichte, des Gedächtnisses, der Erinnerung, des Erahnens, des Bewahrens, des Geheimnisses, der Poesie.

Der andere Pol ist das Licht der Unverborgenheit, des Offenen, der Lichtung, der freien Imagination. Es ist das Licht der offenen Flamme, der Ideen.

Es geht mir um Bildfindungen, die den gemeinsamen Kern des Mensch-Seins widerspiegeln im Sinne einer Toleranzfähigkeit postmoderner Zivilgesellschaften. Mit Blick auf die tödlichen Flüchtlingsdramen im Mittelmeer und der Idee eines gemeinsam erweiterten Lebensraumes Euro-Mediterraner Zugehörigkeit geht es mir in meinen Lichtobjekten um mythopoetische Codes als humane Strategien der Integration.





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SEELEWASCHEN | Rainer Gottemeier mit einem Klangraum von Felix Wolter
Neonstabbojen, Kugelfender, Signallichtlampen, Leuchtglasobjekte | Hannover | Maschteich | 2013

 

 

 

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Blick vom Rathausturm auf die Installation und die Südstadt

 

 

 

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Lichtinstallation im Maschteich
für die Veranstaltungsreihe »Gartenregion 2013 – Blaue Orte«

SEELEWASCHEN | Maschteich/Hannover
Zeitraum: 15. Juni – 15. Juli 2013

»Kunst wäscht den Staub des Alltags von der Seele«

Pablo Picasso

Es gibt da am See das Raummaß 23; die Ausdehnung der Freitreppe an der Uferkante.

Ausgangspunkt zur Lichtinstallation ist die Idee, eine große geometrische Figur im öffentlichen Raum, ein Netzwerk in Form eines Punktrasters im Maschteich zu verankern.
Blaue Neonstabbojen markieren als schwimmende Inseln die Schnittpunkte eines Quadratrasters. Das Maß der Freitreppe wird vielfach auf den See projiziert, erhält damit den Status einer geometrischen Konstante im wässrigen Element beständiger Veränderung.
Die dreiundzwanzig Meter lange Uferkante der Freitreppe steht in einem Verhältnis zum abgewickelten Seelinienumriss, in einem bestimmten Verhältnis zur Parkausdehnung, in einem Verhältnis geometrischer Koordinaten der Region Hannover …ad infinitum.

Die Zeit als Phänomen ist im verankerten Quadratraster der pulsierenden Lichtsäulen das unmittelbar Einleuchtende, die Evidenz, das Offenkundige der Rauminstallation.

Die Farbe Blau aber, das Unendliche und der Se(h)eraum ist Eins. Hier ist sie der Souverän eines schöpferischen Kraftfeldes. Im Windböen- und Wellenspiel zeichnen die Leuchtstäbe blaue Lichtflammen in den reflektierenden Seespiegel.Auf schwankendem Grund erweist sich die atmosphärische Lichtstelenstruktur als visualisierte Metapher eines Koordinatensystems ähnlich dem der Längen- und Breitengrade des Erdkreises.
Die innerstädtische Topographie Hannovers ist mit ihren Verkehrswegen, Plätzen, Kirchenbauten,  herausragenden Architekturen und Naturräumen als ein sternengleicher Kosmos im verkleinerten Maßstab auf die Seefläche übertragen.

Blitzende Signallichter, weiße Kugelfender unterschiedlicher Größe und seerosenblätterartige Leuchtbojen markieren eine poetische Komposition, die kartographische Darstellung eines Lebensraumes. Der schwimmende Stadtplan visualisiert eine punktuelle Konstellation, die Atmosphäre einer Urbanität, die das Dasein, die Heimat – Stadtraum - als ästhetisches Phänomen benennt.
Der spiegelnde See nimmt die installierten Objekte auf wie in einem Brennglas, bezeichnet den Kosmos – Stadt - als Versammlung der Dinge, die zueinander gehören. Das aquatische Bild ist für den Betrachter im Sinne eines planetarischen Bewusstseins Identität stiftend.

Die über dem See liegenden Klangstrukturen korrespondieren auf ihre Weise mit dem Raum und der Zeit und dem Beobachter der ganzen Szenerie.

 

 

 

 

 

 

 

 

rathaus_00_p1120273Lichtinstallation | »Friedrich zwischen Zufall und Notwendigkeit« | Altes Rathaus Potsdam | Idee, Konzept, Foto: Rainer Gottemeier

 



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Friedrich zwischen Zufall und Notwendigkeit

 


Beitrag zum Friedrich II-Jahr der Veranstaltungsreihe von Kulturland Brandenburg e.V.
20. August 2012 – 31. Dezember 2012


»Das gebieterische Gesetz der Notwendigkeit zwang mich, viel dem Zufall zu überlassen, Verhalten eines Piloten, der sich mehr den Launen des Windes als den Angaben des Kompasses überliefert.« *


Im Kontext der Jubiläumsveranstaltungen zum 300jährigen Geburtstag
– Friedrich der Große – soll sein bekannter Ausspruch (s.o.) sein Denken und Handeln, seine Befindlichkeit und Stellung zur Welt beleuchten.

Mit Blick auf das Motto – Friederisiko -, das die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten zu ihrem Leitthema erkoren hat, wird das metaphernreiche Zitat als Lichtinstallation an der Fassade des Alten Rathauses weithin sichtbar leuchten. Das Bauwerk wurde 1753 – 1755 nach Friedrichs Ideen und in seinem Auftrag von den Baumeistern Johann Boumann und Christian Ludwig Hildebrandt nach italienischer Vorlage (Andrea Palladio) errichtet.

In der Attika-Zone unterhalb der Giebelskulpturen, die in allegorischer Form die bürgerlichen Tugenden – Wachsamkeit, Standhaftigkeit, Überfluss, Gerechtigkeit, Handel und Vorsicht – darstellen, soll eine kontrapunktische Lichtachse in Neonschriftform den Spannungsbogen seiner Denkweise aufzeigen.

»Friedrich zwischen Zufall und Notwendigkeit« ist der Titel des geplanten Projektes, das zur Eröffnung des Potsdam-Museums – Forum für Kunst und Geschichte – im August 2012 einen lichthaltigen Baustein zur Gesamtinszenierung liefert.
Das Zitat soll Friedrich II als den Steuermann seines Staatsschiffes und damit Lenker eines komplexen Systems ins Gedächtnis rufen. Zugleich werden zwei Schlüsselbegriffe der Geistesgeschichte – Zufall und Notwendigkeit – in den Blickpunkt des Betrachters gerückt. Auf diese Weise kann sich die überraschende Aktualität des »Philosophen von Sanssouci« aufs Neue entfalten.

 

* »Wer die Wahrheit liebt – Gedanken und Betrachtungen Friedrichs des Großen«, München, Langen Müller Verlag, 2. Auflage 2003.
Herausgegeben von Jost Perfahl, S. 137. Der Philosoph als Feldherr (Geschichte des Siebenjährigen Krieges, 1763)











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KunstLichtTor 9 | Bochum | 8 Rhomboide mit Neon-Konturen | Leuchtschrift an beiden Stirnseiten der Brücke, Bezifferung | 2012 

 





KunstLichtTor 9, 2012, Dauerinstallation
Schillerstraße, Bochum
BOCHUMSTEP


Der Brückenraum markiert einen innerstädtischen Schnittpunkt, an dem sich drei Geschwindigkeiten kreuzen: Bahn – Auto – Mensch. Die Lichtinstallation thematisiert die Geschwindigkeit des Gehens und den Genius Loci (Schutzgeist des Ortes). Er ist verknüpft mit der Tradition des Bergbaus. BOCHUMSTEP visualisiert eine atmosphärisch gestimmte Durchgangssituation, einen Ort der Kommunikation und des Gesellschaftsspiels.

Eingedenk der verstorbenen Bergleute dient er als Andachtsraum, aber auch als »Tanzplatz«. »Musik und Tanz sind eigentliche Freuden des Bergmanns; sie sind wie ein fröhliches Gebet« (aus: »Heinrich von Ofterdingen«, Novalis, Berlin 1802)

Die Stirnseiten der Brücke an der Schillerstraße sind mit der konzeptuellen Leuchtschrift – BOCHUMSTEP – versehen. Die Bezeichnung nennt den Titel des Kunstwerks, zugleich ist sie Handlungsanweisung und Ortsbezeichnung in Einem. Ein neuer Ort ist HIER – JETZT geboren. Bochum hat eine neue »Bahnstation«, einen neuen Ort der besonderen Kommunikation. Die Schriftart ruft eine Irritation hervor. Der Brückendurchgang hat sich von einem »Nicht-Ort« (Marc Augé) in einen atmosphärisch heiteren Ort gesteigerter Aufenthaltsqualitäten gewandelt.

Kern ist das Sichtbarmachen von Zeit, der eigenen Spur, des eigenen Rhythmus, der eigenen räumlichen Ausdehnung. Die Lichtinstallation BOCHUMSTEP versteht sich als Handlungsgeographie, als Vorschlag, den Brückentransit 9 neu zu erfahren, zu besohlen, tänzelnd zu erleben.

 




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Die liegende Neun als bronzezeitliche Sonnenschiff-Metapher

 





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Die Ziffer Neun als konzeptuelle Struktur und Tanzkonstellation | wolkenartige Fußspuren







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Reflexion des Brückendurchgangs im Stahlfachwerk

 

 

 

 

 

 

 

 




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Neonskulptur | Installation | 2,5 x 2,5 m | Hamburg, Elbchaussee | 2009

 

 

 

1005_farb_nacht80_396Lichtskulptur »Bravo Charlie – oder ein anonymer Seemannsgruß«

 

Im schleswig-holsteinischen Wedel an der Elbe gibt es das berühmte Willkommenhöft. Dort werden ein- und auslaufende Schiffe zum und vom Hamburger Hafen begrüßt und verabschiedet.


Seit Oktober diesen Jahres gibt es auch in Hamburg nunmehr eine »Begrüßungsanlage«: Ein Lichtkunstwerk, auf dem Dach eines privaten Mehrfamilienhauses an der Elbchaussee. Der in Potsdam lebende Künstler Rainer Gottemeier hat die Neonskulptur entwickelt und ihr den Titel »Bravo Charlie« gegeben.

»Bravo Charlie« zeigt mit der weißen Neonzeichnung die Umrisse eines frontalen Matrosenportraits, stilisiert mit Seemannskragen und Schiffermütze. In zwei farbig wechselnden Aktionen konnotiert Gottemeier den Akt des in die Ferne Blickens, durch die Geste der flachen Hand über den Augen, um das Sonnenlicht abzuhalten und der Geste des seemännischen, militärischen und respektvollen Grüßens, in der die flache Hand an die Schirmmütze geführt wird. Beide Gesten sind zwar zeichenhaft reduziert, artikulieren aber eindeutig die Intension durch die sich wechselnd bewegenden Handhaltungen.

Wird die Geste des Schauens in die Ferne mit blauem Neonlicht dargestellt, so ist die Farbigkeit der grüßenden Hand in rot gehalten. Ein Zufallsgenerator regelt die unterschiedlich langen Wechselintervalle zwischen Gruß und Schauen. Die Lichtskulptur wirkt in ihrer Klarheit und Einfachheit einerseits symbolhaft und gleichzeitig aber auch wie eine Karikatur. Sie ist Willkommensgruß und sie ist Frage: »Wer kommt denn da«, sie trägt eine fast kindliche Ironie in sich und formuliert etwas Spielerisches. Sie ist sofort verständlich, weil sie sich Gesten bedient, deren Übereinkunft weltweit zu finden sind: Sie werden somit zum Super-Zeichen der Kommunikation.





Rainer Gottemeier schreibt zu seinem Werk: »Bravo Charlie« (aus der seemännischen Buchstabiertafel für Rufzeichen) verkörpert den entwaffnenden Geist der Philosophie der Kommunikation im Sinne des Reisens, des Austausches, des Wechselns auf die Position des Anderen. Die permanente Wandlung ozeanischer Räume klingt im zufallsbedingten Wechsel der visualisierten  Gesten an. Die elementare Symbolik generiert die Metapher einer Geste des friedlichen Zusammenlebens. Mit Blick auf das ökologische Gleichgewicht der Meere kann die Lichtskulptur als »Versöhnungszeichen« zwischen Mensch und Natur gelesen werden.

Gottemeier steht mit seiner Arbeit in der formalen Tradition der Lichtkunstwerke von Mauricio Nannucci, Joseph Kosuth, Francois Morellet, Jan van Munster und Mario Merz. Er nutzt sowohl textliche Neonschriftzüge wie auch zeichenhafte und schematische Formen und bezieht sich somit auf geistig-inhaltlich aufgeladene Räume als auch auf architektonische und naturhafte Gegebenheiten eines Ortes. Diese Verbindungen schaffen neue Bezüge und definieren den jeweiligen öffentlichen Raum immer mit einem Mehrwert. Wie ein kartographisches Netzwerk verbindet sich das jeweilige Werk mit dem umliegenden Raum und bezieht im Fall von »Bravo Charlie« auch mobile Strukturen mit ein.

Claus Friede

KULTUR PORT.DE, www.kultur-port.de